Gipfel zur digitalen Souveränität: Was 12 Mrd. € für den Mittelstand bedeuten
Am 18. November 2025 haben Deutschland und Frankreich in Berlin zum Gipfel für europäische digitale Souveränität geladen. Über 12 Milliarden Euro an Zusagen standen im Raum. Für Softwarehäuser ist ein anderer Punkt wichtiger: die öffentliche Beschaffung.
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Am 18. November 2025 fand in Berlin der Gipfel für europäische digitale Souveränität statt, auf Initiative von Deutschland und Frankreich. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eröffneten die Runde, dazu kamen Digitalministerinnen und -minister aus den EU-Mitgliedstaaten und mehr als tausend Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Angekündigt wurden Investitions- und Partnerschaftszusagen europäischer Unternehmen von über 12 Milliarden Euro. Die Schlagzeile gehört damit den großen Summen. Für Softwarehäuser steckt die Nachricht an einer anderen Stelle.
Was auf dem Gipfel beschlossen wurde
Deutschland und Frankreich haben eine gemeinsame Initiative gestartet, um Abhängigkeiten zu verringern und europäische Angebote zu stärken. Beide Regierungen wollen europäische Lösungen in der öffentlichen Beschaffung künftig bevorzugen.
Auf der Tagesordnung standen außerdem Open Source, künstliche Intelligenz, die europäische Brieftasche (EUDI-Wallet) sowie europäische Cloud- und Dateninfrastruktur. Die Pläne der EU-Kommission für einen Digital Omnibus, also die Vereinfachung bestehender Digitalregeln, wurden begrüßt.
Die zugesagten Milliarden fließen in große Vorhaben, etwa in Rechenzentrumskapazität. Ein mittelständisches Softwarehaus wird davon nicht direkt etwas sehen.
Was das für Softwarehäuser bedeutet
Der Beschaffungssatz ist der Teil, der in der Praxis ankommt. Wenn Verwaltungen und regulierte Unternehmen europäische Lösungen bevorzugen sollen, verschiebt sich die Frage im Einkauf. Sie lautet nicht mehr nur: Was kann eure Software? Sie lautet zusätzlich: Wo und von wem wird sie betrieben?
Diese Frage trifft Anbieter, die selbst gar nicht als kritisch eingestuft sind. Wer Fachverfahren an eine Kommune liefert oder eine Branchenlösung an ein Krankenhaus, bekommt sie im Vergabeverfahren oder im Lieferantenfragebogen gestellt. Beantwortet wird sie mit Nachweisen über die Infrastruktur, nicht mit einer Absichtserklärung.
Für dich als Softwarehaus heißt das zweierlei. Erstens wird der Betrieb zum Verkaufsargument, nicht nur zum Kostenblock. Zweitens brauchst du belastbare Angaben: Wem gehört das Rechenzentrum, welchem Recht unterliegt der Betreiber, welche Zertifikate liegen vor, wer hat Zugriff.
Wer diese Angaben aus dem eigenen Serverraum heraus beantworten muss, hat viel Arbeit vor sich. Wer den Betrieb an einen zertifizierten Betreiber gibt, reicht Nachweise weiter und kann sich auf das Produkt konzentrieren.
Ein Hinweis zur Einordnung: Souveränität ist mehr als ein Serverstandort in Deutschland. Entscheidend ist, wem der Betreiber gehört und welchem Recht er unterliegt. Genau daran wird die öffentliche Beschaffung künftig messen.
Was jetzt zu tun ist
- Prüfe, welche deiner Kunden im öffentlichen Sektor oder in regulierten Branchen sitzen. Dort kommen die Fragen zuerst an.
- Sammle die Angaben zu deiner Betriebsumgebung an einer Stelle: Standorte, Eigentümerstruktur, anwendbares Recht, Zertifikate, Zugriffs- und Meldewege.
- Halte fest, was du heute schon nachweisen kannst und wo eine Lücke bleibt. Diese Lücke ist der Punkt, an dem eine Vergabe kippt.
- Sprich mit deinem Betreiber, bevor der Kunde fragt. Ein Zertifikat mit Geltungsbereich ist eine Antwort, eine Absichtserklärung nicht.
Wir haben das Thema am 19. November 2025 beim cDinner „Digitale Souveränität in der Praxis" mit Entscheiderinnen und Entscheidern aus dem Mittelstand weiterdiskutiert.
Wenn du wissen willst, wie eine belastbare Antwort auf die Betriebsfrage aussieht: Wir betreiben unsere Rechenzentren in Hannover, Wolfsburg und Frankfurt selbst, sind nach ISO 27001 auf Basis BSI IT-Grundschutz zertifiziert (Zertifikat BSI-IGZ-0552-2023, Geltungsbereich Rechenzentren und Cloud Services). Sprich uns an, dann gehen wir deine Anforderungen durch.