Im Podcast: Wie gelingt echte digitale Souveränität?
Vor der Horizons by heise war unser Geschäftsführer Simon Künzel zu Gast im Podcast der Konferenz. 27 Minuten über Souveränität als Skala, über Abhängigkeiten, die niemand auf dem Zettel hat, und über die eine Frage, die jede Geschäftsführung ihrer IT stellen sollte.
Im Vorfeld der Horizons by heise trifft Bastian Brunotte (Digital Mindset) Speaker und Partner der Konferenz zum Gespräch. Am 29. August 2026 war unser Geschäftsführer Simon Künzel an der Reihe. Titel der Folge: „Wie gelingt echte digitale Souveränität?"
27 Minuten, ohne Folien und ohne Produktvorstellung. Wer lieber hört als liest: Das Gespräch gibt es auf YouTube. Für alle anderen die wichtigsten Punkte.
Souveränität ist eine Skala, kein Schalter
„Souveränität ist mittlerweile auch so eine Hülle, mit der schnell um sich geworfen wird." Simons Gegenentwurf: Souveränität liegt auf einem Spektrum zwischen völliger Autarkie und völliger Abhängigkeit. Niemand baut seine eigenen Chips, und das muss auch niemand. Es geht darum, handlungsfähig zu bleiben.
Wichtig ist ihm die Trennung zweier Debatten. Die eine ist politisch: Wie wird Europa unabhängiger? Die andere ist betrieblich und für Unternehmen die spannendere: Wie werde ich als Organisation souveräner?
Abhängigkeit hat nichts mit der Landesvorwahl zu tun
Souveränität ist nicht die Frage, ob ein Anbieter aus den USA kommt. Man kann von einem deutschen Anbieter genauso abhängig sein, wenn es für eine Spezialanwendung nur diesen einen gibt. Auch das Wissen einer einzelnen Person in der IT-Abteilung kann eine Abhängigkeit sein, wenn diese Person morgen nicht mehr da ist.
Ein Beispiel aus dem eigenen Haus: Die größte Cloudplattform bei kyberio lief auf VMware. Nach der Übernahme durch einen anderen Konzern wurden Partnerverträge gekündigt und die Lizenzkosten drastisch erhöht. Weil es Open-Source-Alternativen gab, konnte kyberio die Plattform migrieren. „Wenn du keine Alternative hast, bleibt dir nichts anderes übrig, als zu zahlen."
Der teuerste Satz in diesem Zusammenhang ist für Simon: „Wird schon nicht passieren."
Mit KI gibst du nicht nur Daten ab, sondern auch den Kontext
Ein Punkt aus dem Gespräch, der in der Souveränitätsdebatte oft fehlt: Bisher ging es darum, wo Daten liegen und wer darauf zugreifen kann. Bei KI kommt etwas dazu. Mit den Prompts gibt ein Unternehmen auch preis, was es mit diesen Daten vorhat, welche Fragen es stellt und welcher Zusammenhang dahintersteckt.
Dieser Kontext steckte bisher in den Köpfen der Mitarbeitenden. Jetzt verlässt er das Unternehmen mit jeder Anfrage an ein Modell. Deshalb gehört zur KI-Strategie die Frage, wo das Modell läuft — nicht nur die Frage, welches Modell es ist.
Die eine Frage an die IT
Bastian Brunotte fragt im Gespräch, womit eine Geschäftsführung anfangen soll, die sich mit dem Thema bisher nicht beschäftigt hat. Simons Antwort ist eine einzige Frage an die eigene IT:
„Wie lange würde es dauern, System A oder Daten B zu einem anderen Anbieter zu bringen — und was würde das kosten?"
Die Antwort misst die Abhängigkeit. Ist ein Wechsel einfach, ist der Ort der Daten eher eine Sicherheits- als eine Souveränitätsfrage. Ist er schwierig, liegt genau dort der Lock-in.
Dass ausgerechnet ein Anbieter diese Frage empfiehlt, klingt erst einmal seltsam. Simon dazu: Kunden sollen bleiben, weil die Leistung stimmt, nicht weil sie nicht wegkönnen. Offene Standards und Open-Source-Plattformen machen einen Wechsel in den meisten Fällen unaufwendig.
Der Rat: sortieren, oben anfangen, klein starten
Drei Punkte nimmt das Gespräch als Handlungsempfehlung mit:
- Systeme nach Wichtigkeit sortieren. Wo liegen die Daten, die dein Geschäft ausmachen? Dort beginnt die Arbeit.
- Dort hinschauen, wo es unangenehm ist. Das System, das man am wenigsten anfassen möchte, ist meist das mit der stärksten Abhängigkeit.
- Mit etwas Kleinem anfangen. Ein Werkzeug, bei dem ein Wechsel leichtfällt, zeigt schneller, was geht, als ein Strategiepapier. Migrationen sind heute oft einfacher, als sie wirken.
Und eine Haltung: Souveränität ist keine reine IT-Entscheidung. Die Frage „Wo haben wir Abhängigkeiten?" muss aus der Geschäftsführung kommen, gelöst wird sie in der IT.
Wie unterschiedlich Konzern, Verwaltung und Mittelstand das Wort Souveränität füllen, hat sich später auf der Konferenz selbst gezeigt: nachzulesen im Recap der Horizons by heise #26. Die vier Fragen, mit denen wir Anbieter prüfen, stehen im Beitrag Souverän ist, was prüfbar ist.
Du willst die Frage nach dem Wechselaufwand für deine eigene Umgebung beantworten? Sprich uns an — oder komm vorbei und sieh dir an, wo deine Daten liegen würden. Rechenzentrumsbesichtigung: immer gerne.