IFA 2026: Wenn alles vernetzt ist, muss jemand die Kontrolle behalten
Vier Tage IFA in Berlin, und auf der TechTalk-Bühne im Reseller Park stand eine unbequeme Frage: Die Messe zeigt, was technisch möglich ist — aber was ist technisch und wirtschaftlich vernünftig? Unser Geschäftsführer Simon Künzel über die Marge des Vertrauens.
Vom 4. bis 7. September 2026 war die IFA in Berlin. In Hub 27 lief parallel zur Messe der TechTalk im Reseller Park — vier Tage Bühnenprogramm zu Handel, Refurbishment, Cybersicherheit und Smart Living.
Am Samstag, dem 5. September, um 14:30 Uhr stand unser Geschäftsführer Simon Künzel dort mit einem Vortrag über souveräne, sichere Cloud-Infrastruktur aus Deutschland.
Möglich ist nicht dasselbe wie vernünftig
Eine Messe wie die IFA beantwortet zuverlässig eine Frage: Was ist technisch möglich? Der Vortrag stellte die zweite dazu.
„Die IFA hat gezeigt, was technisch möglich ist. Ich habe mir erlaubt, die Frage zu stellen, was technisch und wirtschaftlich vernünftig ist."
Denn jedes neue smarte Gerät sammelt Daten über ein Privatleben: wann jemand aufsteht, wie er lebt, was er nutzt. Und viele Hersteller bauen ihre Produkte auf Infrastrukturen, die sie rechtlich und technisch kaum noch beherrschen. Wer das Gerät verkauft, haftet für das Vertrauen — betreibt aber die Plattform dahinter oft nicht selbst.
Die Marge des Vertrauens
Der Begriff aus dem Vortrag, der hängen blieb: Die Marge des Vertrauens geht verloren, wenn wir Kontrolle gegen Bequemlichkeit tauschen.
Bequemlichkeit ist dabei kein Vorwurf. Eine fertige Plattform zu mieten ist schneller, billiger und im Alltag meistens gut genug. Der Preis fällt nur nicht beim Kauf an, sondern später: wenn Preise steigen, ein Dienst eingestellt wird oder jemand wissen will, wo die Daten der Kundschaft eigentlich verarbeitet werden.
Drei Bedingungen
Souverän bleibt nach diesem Verständnis nur, wer drei Dinge erfüllt:
- Genau weiß, wo Daten verarbeitet werden. Nicht ungefähr, nicht „in Europa", sondern nachprüfbar.
- Nicht an einen einzigen Anbieter gekettet ist. Es muss einen zweiten Weg geben, auch wenn man ihn nie geht.
- Im Ernstfall rede- und handlungsfähig bleibt. Gegenüber Kunden, gegenüber Aufsichtsbehörden, gegenüber dem eigenen Betrieb.
Daraus folgt der Satz, mit dem der Vortrag endete: Ein Label auf der Verpackung reicht nicht mehr aus. Wenn wir alles vernetzen, müssen wir auch die Kontrolle behalten.
Nicht allein auf der Bühne
Der Vortrag war der Auftakt zu einem Nachmittag, den das Programm ganz dem Thema gewidmet hatte: Im Anschluss lief die offizielle Session zum Digital Independence Day, mit Kai Schwartz (Anoxinon e.V.) zur Frage, was Souveränität wirklich bedeutet, und einer Sprechstunde zum Wechsel auf europäische Alternativen — mit Marieke Petersen von der Gesellschaft für Informatik und Bettina Louis von der Endorf10-Kampagne.
Dass dieses Thema auf einer Messe für Unterhaltungselektronik und vernetztes Wohnen eine eigene Bühnenstunde bekommt, ist der eigentliche Befund der IFA 2026.
Die vier Fragen, mit denen sich ein Anbieter prüfen lässt, stehen in Souverän ist, was prüfbar ist. Wie dieselbe Frage im Marketing aussieht, im Podcast B2B Marketing Rules.
Du baust ein vernetztes Produkt und willst wissen, wo seine Daten künftig liegen könnten? Sprich uns an.