Hochverfügbarkeit fängt im Erdreich an
Zwei Rechenzentrumsgebäude in einem Gewerbepark in Hannover, zwei unabhängige Mittelspannungsringe, kreuzungsfreie Datentrassen. Warum ein Cluster nur so gut ist wie das, was unter ihm liegt — und wie dieses Setup unser Denken geprägt hat.
Über Hochverfügbarkeit wird meistens auf der Softwareebene gesprochen: Cluster, Failover, Replikation, Quorum. Das ist die sichtbare Hälfte. Die unsichtbare liegt im Erdreich — und entscheidet, ob die sichtbare überhaupt etwas nützt.
Ein Blick auf unseren Hauptstandort in Hannover erklärt das besser als jedes Schaubild.
Zwei Gebäude, zwei Ringe, getrennte Wege
In einem Gewerbepark in Hannover betreiben wir zwei Rechenzentrumsgebäude — selbst, seit Jahren, nicht angemietet. Was sie verbindet und was sie ausdrücklich nicht verbindet, ist der eigentliche Punkt:
- Zwei unabhängige Mittelspannungsringe. Jedes der beiden Gebäude hängt an einem komplett eigenen Ring der Energieversorger. Fällt einer aus, passiert im anderen nichts.
- Kreuzungsfreie Datentrassen. Die Anbindungen sind physisch getrennt und werden unabhängig voneinander ins Areal geführt. Auch auf den letzten Metern gibt es keine gemeinsame Stelle, an der beide gleichzeitig enden.
Der zweite Punkt wird gern übersehen. Zwei Leitungen von zwei Anbietern klingen nach Redundanz — und laufen am Ende doch durch denselben Graben, durch denselben Hausanschlussraum. Ein Bagger genügt, und aus zwei Wegen wird einer.
Warum wir so bauen
Das ist keine Laune, sondern Herkunft. kyberio gibt es seit 1997, gegründet in Frankfurt am Main. 2002 kam Hannover dazu — und zwar deshalb, weil dort die infrastrukturelle Anbindung an einen Backbone-Ring möglich war. Der Standort wurde nach der Leitung ausgesucht, nicht die Leitung nach dem Standort.
2012 folgte das Management-Buy-out und damit die Aufstellung als eigenständiges, inhabergeführtes deutsches Unternehmen. Seit 2024 heißt das Ganze kyberio.
Was über diese Jahre blieb: Die Anforderungen der anspruchsvollsten Kunden nicht nur zu erfüllen, sondern sie physisch greifbar zu machen. Wer bei uns fragt, wo die zweite Leitung verläuft, bekommt keine Folie, sondern einen Termin.
Was daraus im Cluster wird
Auf dieser Grundlage stehen die Verfügbarkeitszonen: Zwei Gebäude, drei Verfügbarkeitszonen — VZ-A, VZ-B und VZ-C —, jede mit eigener Versorgung. Erst das macht ein Cluster zu mehr als einer Ansammlung von Servern im selben Raum.
Konkret sieht das in unseren Proxmox-Umgebungen so aus:
- Cluster: drei Server, N+1 ausgelegt. Den Speicher stellt Ceph bereit, die Daten liegen dreifach repliziert auf den Knoten. Der Ausfall eines Servers ist eingeplant.
- HA-Cluster: vier Server, verteilt auf zwei getrennte Verfügbarkeitszonen. Ceph hält vier Kopien über beide Zonen. Fällt eine ganze Zone aus, startet Proxmox HA die betroffenen Maschinen automatisch in der anderen. Eine unabhängige Tiebreaker-Instanz verhindert, dass sich beide Hälften für die überlebende halten.
Genau an dieser Stelle zahlt sich die Trennung im Erdreich aus: Zwei Zonen, die an derselben Einspeisung hängen, sind im Ernstfall eine.
Und wenn der ganze Standort ausfällt
Hochverfügbarkeit innerhalb eines Standorts ist die eine Frage, Georedundanz die andere. Dafür gibt es die weiteren Standorte: Wolfsburg, mehr als 80 km von Hannover entfernt, und Frankfurt, mehr als 250 km entfernt.
Damit lässt sich beides bauen — hochverfügbar innerhalb Hannovers, georedundant über Standorte hinweg — bei einem Anbieter, mit einem Ansprechpartner und unter deutschem Recht.
Was das für ein Projekt bedeutet
Wenn jemand mit einer HA-Anforderung zu uns kommt, ist die erste Frage selten, welche Software das Cluster steuert. Sie lautet: Wogegen soll es eigentlich schützen?
- Gegen den Ausfall eines Servers? Dann reicht ein Cluster mit N+1 in einer Zone.
- Gegen den Ausfall einer Zone — Strom, Kälte, Brandabschnitt? Dann braucht es zwei Zonen und einen Tiebreaker außerhalb beider.
- Gegen den Ausfall eines ganzen Standorts? Dann braucht es Entfernung, und zwar mehr, als ein Stadtgebiet hergibt.
Jede Stufe kostet mehr und bringt Komplexität mit. Die Kunst liegt darin, nicht die höchste zu verkaufen, sondern die passende zu bauen.
Die Standorte mit allen Eckdaten stehen auf Rechenzentren. Wie Cluster und HA-Cluster technisch aufgebaut sind, steht bei der Dedicated Private Cloud auf Proxmox.
Du willst sehen, wo deine Systeme stehen würden — und wo die zweite Leitung verläuft? Sprich uns an. Rechenzentrumsbesichtigung: nach Rücksprache, immer gerne.